Frauen im Hip Hop

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Nachdem wir uns bei einem zünftigem Abend in der Redaktion nicht einig werden konnten wer denn nun am besten flowt, sind wir auf eine kleine aber feine Playlist gestoßen die wir euch nicht vorenthalten möchten.

Die Damen der Schöpfung haben ja schon das ein oder andere Brett abgeliefert und von Da Brat bis Queen Latifa waren schon viele weibliche Top Acts am Start. Dennoch – wenn man sich die Rap Szene anschaut, kann man das Gefühl  bekommen, es fehlen Frauen. Weibliche Rapper haben es scheinbar schwerer im Rap-Geschäft. Woher kommt diese fehlende Balance? Anyway – hier mal die Selection.

 

Frauen im Deutsch Rap:

Auch Deutschrap ist längst nicht mehr nur Männersache. Immer mehr Frauen steppen ans Mic und erobern sich ihren Platz auf den Bühnen des Landes. Endlich. Hier sind 15 Musikerinnen, die ihr jetzt auf dem Schirm haben solltet.

 

Die Trendsetterin: Ace Tee

Mit ihrem Sound, der stark an RnB aus den Neunzigern erinnert, schafft sie es 2016 international bekannt zu werden. „I dont even know what she´s saying but this tune bangs“, sagt einer der Kommentatoren unter dem Video zum Song “Bist du down”. Damit fasst er ziemlich gut das Erfolgskonzept von Ace Tee zusammen: Egal was die Künstlerin da mit ihrer entspannten Stimme singt, sie verkauft ein ganzheitliches Paket das den Trend zur multikulturellen Gesellschaft widerspiegelt.

Die Alleskönnerin: Mine

Mine hat schon in ihrer Kindheit im Jugendzentrum gebreakt. Zwei Musik-Studiengänge später bewegt sich Mine stilsicher zwischen HipHop, Rap, Elektro, Jazz und Pop und arbeitet mit Leuten wie Samy Deluxe, den Orsons und Fatoni zusammen. Sie singt, schreibt Texte und produziert Beats, die im Kopf bleiben. Dabei reduziert sie ihre musikalischen Skills auf das Wesentliche.

Die Lässige: Ebow

Immer wenn man denkt, man hat die Münchner Architekturstudentin Ebow in einer Schublade verstraut, rappt sie sich wieder heraus. Ihre Texte handeln von einer modernen, emanzipierten, muslimischen Frau die sich abgrenzen möchte von den bestehenden Klischees. Von Oldschool Beats bis hin zu orientalischen Klängen, Ebow wandert ganz selbstverständlich zwischen den Welten. Der Identitätskonflikt scheint bei ihr schon lange ausgefochten zu sein.

Die Trap-Queen: Haiyti

Wenn Trap-Deutschland ein Königreich wäre, Haiyti würde es regieren. Von Trap bis Cloudrap gibt es nichts, was die Hamburgerin ausgelassen hat. Wie eine Königin schreitet Haiyti aka Robbery aka Ovadoze aka Miami durch verwackelte Musikvideos, die mit dem Smartphone aufgezeichnet wurden. Nebenbei rappt sie alle unter den Tisch, als wäre es „nuffin“.

Die Realness Queen: Schwesta Ewa

In ihren Texten verarbeitet Ewa ihre Erlebnisse als Prostituierte im Milieu. Eine Thematik, die im deutschsprachigem Rap so zum ersten Mal aus der weiblichen perspektive angesprochen worden ist. Als Ewa 2011 mit dem Track „Schwätza“ durch die Decke geht, wird wieder klar, dass es eine Frau mit Deutschrap ganz nach oben schaffen kann. Ewa prägt das Bild einer weiblichen Gangsterrapperin und lebt zwischen Gefängnis, Rap und der Straße ein Leben, das nicht immer vorbildlich, aber vor allem real ist.

Das femme Krawall Duo: SXTN

Auf-die-Fresse-Rap gibt es schon länger, trotzdem sind Juju und Nura mit ihren Texten die wohl ehrlichste weibliche Antwort darauf. Mit viel Krawall machen die beiden Rapperinnen Ansagen und erarbeiten sich durch ihre Skills seit Jahren Respekt in der Szene. Zwischen modernem Feminismus und Ansagen gegen Rassismus und Schubladendenken rappen die beiden Berlinerinnen seit 2014 konstant provokant und haben jetzt schon ihren Fußabdruck auf dem Hintern von Deutschrap hinterlassen.

Die Kämpferin: Eunique

2017 ist Euniques Jahr. Sie rappt sich mit Tracks wie “Besser”, “Jubel” oder “Cannabis” in jede Newcomer-Playlist des Landes. Die aus Hamburg stammende Künstlerin betont in ihren Texten und Videos bewusst ihre weibliche Seite. Feminismus und ihr eigener Girlpower-Club – “Kobra Militär” – sind für Eunique so elementar wie dope Beats und eine Attitüde, die schon aus 20 Meter Entfernung jeden Hater verstummen lässt.

Die Standhafte: Lumaraa

Lumaraa ist seit 2006 in Rap-Deutschland zu Hause. Sie zeigt sich selbstbewusst in Rap Battles und liefert seit ihrem Einstieg konstant ab. Musikalisch bewegt sie sich zwischen Rap und Pop, dazu astreines Storytelling aus der Gefühlswelt einer jungen Frau in der Szene. In diesem hart umkämpften, männerdominierten Business hält sie sich als eine der Wenigen mittlerweile seit über 10 Jahren. Hate oder Beef verderben ihr nicht den Humor und die Liebe zur Kultur.

Die mexikanische Gangster Queen: Taiga Treece

Taiga Treece rappt auf Deutsch und Spanisch was ihr in den Sinn kommt und ist dabei nicht auf den Mund gefallen. Als Jugendliche lebte sie 3 Jahre in Mexiko und musste sich dort allein durchschlagen. Diese Zeit auf der Straße prägt die Wahl-Münchnerin bis heute. Ihr unfassbarer Flow kommt durch die flüssigen spanischen Worte, die sie ganz selbstverständlich in ihre Texte einbaut, noch besser zur Geltung. Auf deepen HipHop Beats zeigt die Künstlerin, wie wichtig ihr Realness in ihren Texten ist.

Die Battle Rap Legende: Pilz

Furchtlos reizt die geborene Lübeckerin seit 2013 immer wieder Grenzen in der Battle Rap Szene aus. Trotz zahlreicher Anfeindungen bleibt Pilz ihrem aggressiven Rapstil und sich selbst treu. Ihre einschüchternde Attitüde aus den Battles behällt sie sich auch in ihren Texten bei, Realness spielt für Pilz eine entscheidende Rolle.

Die Melodikerin: Namika

Unter dem Künstlernamen Hän Violett begann Namika Rap, Flow und Gesang zu verbinden. Nicht erst seit ihrem Hit „Lieblingsmensch“ steht fest, das Melodik für die Künstlerin mittlerweile an erster Stelle steht. Dabei lässt sie die Grenzen zwischen Rap, RnB und Pop ganz natürlich ineinander übergehen. Und so überrascht es auch nicht, dass bei Namika – zu deutsch „die Schreiberin“- vom großen Radio-Hit bis hin zum deepen Rap-Feature alles zu finden ist.

Die Meinungsstarke: Sookee

Ob gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie oder Antisemitismus, die Berliner Rapperin Sookee setzt sich in ihren Texten gegen Ausgrenzung jeder Art ein. Die Künstlerin ist das beste Beispiel dafür, wie politisch und gesellschaftskritisch Rap sein kann. Auf deepen HipHop Beats gibt Sookee mit ihrer angenehm bassigen Stimme nicht nur inhaltlich den richtigen Ton an. Man hat das Gefühl Sookee hat noch viel zu sagen und man sollte ihr besser zuhören.

Die Geheimniskrämerin: Antifuchs

Wer sich hinter der schwarzen Fuchsmaske von Antifuchs genau verbirgt, ist nicht klar. Wie auch Pilz ist sie bei dem Berliner Label Wolfpack Entertainment unter Vertrag. Durch ihre langjährige Battle Rap Erfahrung kann die Künstlerin textlich und technisch sehr selbstbewusst austeilen. Durch ihre tiefe Stimme und den sehr gekonnten Flow hat sich die Hamburgerin in der Szene ein festes Standing erarbeitet.

Die abstrakte Künstlerin: Fanstasma Goria

Normal sein is nicht ihr Ding. Fantasma Goria ist zum Glück sehr weit davon entfernt. Das Debütalbum der Hamburgerin erschien im September 2017 und bewegt sich irgendwo zwischen Genie und sympathischem Wahnsinn. Müsste man ihre Musik beschreiben, es wäre irgendwas zwischen Funk, Reggae und Elektro mit klassischen HipHop Elementen. Fantasma selbst beschreibt ihre Musik als Art-Hop. Man kann gespannt sein, was als nächstes kommt.

Die Conscious Rap Queen: Leila Akinyi

Die Kölnerin Leila Akinyi hat es sich zur Aufgabe gemacht, über ihre Texte sozialkritischen Inhalt zu transportieren. Während der Sound sich zwischen Reggae, Soul und RnB bewegt, transportiert Akinyi ganz selbstverständlich das neue, multikulturelle Selbstverständnis einer Generation. Die Problemfelder Integration, Rassismus im Alltag und ihre eigenen Erfahrungen als Frau mit Migrationshintergrund werden von der Künstlerin feinsinnig beschrieben und in ein extrem eingänges Soundgewand gepackt.

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